Sonntag, 2. Februar 2014
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Onlinejournalismus in Österreich – als man den Fokus aufs Wesentliche verlor
Zwischen APA-Meldungen, Klickfetischismus und hässlichen Werbebannern
 Allgemein
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Ich bin bekennender Leser (österreichischer) Online-Medien. Ich bin überzeugter Verweigerer der gedruckten Zeitung. Ich bin Adblock-Nutzer ohne Scham und mir bewusst, dass ich damit die Einnahmen der Zeitungen zerstöre. Trotzdem: Ich bin sauer.

Damals™ hat man wenigstens noch versucht in eine Zeitungsausgabe so viel Dramatik und reißerische Texte hineinzubekommen, wie nur irgend möglich. Aber was ist denn passiert? Die Werbung hat den Journalismus zerstört. Man hat das Gefühl alles was zählt sind Clicks, egal wie und mit welchem Content. Dieser Click-Fetischismus führt dazu, dass einfach jede APA-Meldung abgeschrieben und publiziert wird. Vor allem von unseren “Qualitätsmedien” würde ich mir schon eine richtige Filterung und vor allem auch Hintergrundrecherchen erwarten. Aber Nein. Wir hauen einfach mal Content raus und schauen was passiert. Ein paar Leute werden sich schon auf die Seite verirren. Und bevor der Journalist da viele Stunden an einem gut recherchierten Artikel sitzt, soll er lieber 50 Artikel raushauen, die keinen interessieren und inhaltlich womöglich auch noch vollkommen falsch sind.

Ich hab ja wirklich keine Ahnung wie es in den Redaktionen der Online-Ausgaben der Zeitungen aussieht, aber es würde mich nicht überraschen wenn da ein enormer Druck im Sinne von “Wir müssen die ersten sein die darüber schreiben” herrscht. Was scheinbar noch nicht verstanden worden ist: Nur weil man sofort darüber schreiben kann, muss man es nicht. Schonmal darüber nachgedacht, dass die Leser gut recherchierte Artikel lesen wollen und nicht einfach jeden Dreck der Tag für Tag über die APA verbreitet wird?! Man könnte auch nochmal so eine mysteriöse Zielgruppenanalyse machen. Könnte was bringen.

Manchmal frage ich mich ja auch wie oft die Verantwortlichen die eigene Website ansurfen. Abgesehen davon, dass offensichtlich großteils noch nicht verstanden wurde was übersichtliches und modernes Webdesign ist: Was habt ihr eigentlich genommen als ihr die Werbungen platziert habt?! Ich bitte alle jetzt mal bitte ihre Adblocker auszuschalten und z.B. einen Artikel auf derStandard.at anzusurfen. Während sich die Startseite noch sehr mit Werbungen zurückhält, wird’s in den Artikeln selbst wirklich hässlich. Riesige Banner kleben entweder rechts neben den Artikeln oder darüber. Wir leben im Jahr 2014. Ich weiß nicht wie Menschen ohne Adblocker heutzutage noch überleben können. Es ist traurig, dass sich Online-Content noch immer über diese absurd großen und zum Kotzen anregenden Bannerwerbungen finanziert. Das Problem: Wo soll ich den Geld einwerfen? Sagt es mir?

Versteh ja auch nicht warum beispielsweise nicht mehr auf Affiliate-Programme gesetzt wird. Ich mein ist noch nicht zu euch durchgedrungen, dass es sowas gibt?! Aufwachen (und nochmal) wir haben 2014!

Ah und wo wir schon bei Unarten sind: Artikel im Internet werden nicht in mehrere Seiten zerteilt. Es sind keine Blätter verdammt, ihr könnt die Seite (fast) unendlich lang machen, bis irgendwann der RAM des Computers mitsamt der Swap-/Auslagerungsdatei auf der Festplatte explodieren. Wenn es zwei abgeschlossene Themen sind: schreibt zwei Artikeln. Wenn es zwei Absätze sind auf die man direkt verweisen können soll: Macht zwei Anker auf die man verlinken kann. It’s that simple. Aber lasst mich bloß in Ruhe mit euren kaputten Konzepten der Klickgenerierung.

Das wird jetzt einige schwer treffen aber: Das Internet ist heute nicht mehr nur dazu da Text zu überliefern. Ich weiß krank oder?! Man kann sogar schon Statistiken etc. mit interaktiven Objekten (die hoffentlich nicht Flash sondern HTML5 sind) veranschaulichen. Achja und verlinken darf man übrigens auch häufiger. Das sind ein paar Klicks, macht vielleicht ein paar Menschen glücklicher und hey: Es ist vollkommen gratis und kostenlos. Das Internet beruht auf Hyperlinks, wäre schön wenn dieser Gedanke mal häufiger im Hinterkopf wäre. Aber fangt vielleicht mal einfach damit an die eigenen Seiten sinnvoll zu verlinken. Will ja nicht zu viel verlangen.

Nochmal im Klartext: Online ist die Zukunft. Printzeitungen werden, zumindest in der Form wie sie derzeit existieren, auf längere Zeit zwangsläufig sterben. In der derzeitigen Form will doch auch fast keiner für diesen Service zahlen. Also macht euch jetzt endlich mal dran und lasst euch was einfallen wie ihr, was ihr da verbrochen habt wieder fixt. Denn irgendwann wird euch das sowas von auf den Kopf fallen. Das versprech ich euch.

Bild: by m:eightysix on Flickr

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  • http://www.ostheimer.at/ Andreas Ostheimer

    Auja, das “damals war alles besser” gesudere.
    Ich surfe regelmäßig auf derstandard.at, habe noch nie einen Adblocker installiert, denn ich finde nur so kann ich das gesamte Bild sehen. Banner auszublenden, bedeutet für mich die Wahrheit nicht sehen zu wollen und ein Schmarotzer zu sein.
    Übrigens: Alle namhaften Affiliateprogramme verwenden Banner.

    • onatcer

      In meinen Augen beschwere ich mich ja mehr drüber, dass sich die Industrie nicht dementsprechend weiterentwickelt hat aber gut das kann ja jeder sehen wie er will. Stimm ich dir voll zu ich will die Wahrheit nicht sehen. Weil ich wie Wahrheit schrecklich finde und mich Adblocker – in den meisten Fällen Gott sei dank – vor der Wahrheit bewahren. Auf manchen Seiten finde ich es ja auch ok Werbung eingeblendet zu haben, da wird der Adblocker auch ausgeschalten, aber auf derstandard.at ist dies definitiv nicht der Fall. Und ja dadurch werd ich auch zum Schmarotzer. Sie könnten ja auch einen Flattr-Button anbieten, damit ich mich besser fühle wenn ich draufklicke, aber wie realistisch ist das denn….

      Wenn ich an große Affiliateprogrammen denke denke ich z.B. an Amazon-Affiliateprogramme, iTunes, Google Play etc. Da werden einfach Links generiert…

  • dmnkltnr

    “Printzeitungen werden, zumindest in der Form wie sie derzeit existieren, auf längere Zeit zwangsläufig sterben.” Dasselbe gilt für Onlinezeitungen. (Mal ganz abseits von Werbungen in Onlinemedien)